Das Gründungsprotokoll
Am 11. April des Jahres 1934 sollte in dem aufstrebenden Industrieort Gottmadingen den bereits vorhandenen Vereinen ein neuer, lebenslustiger und nützlicher Verein angegliedert werden. An diesem Abend versammelten sich im Nebenraum des Bahnhof-Hotels nachstehende Schachspieler, um auch in unserem Ort eine Schachvereinigung zu gründen: Karl Allgaier, Fritz Bach, Ludwig Beck, Hans Binder, Ludwig Dietz, Otto Karrer, Karl Muffler, Walter Muffler, Willy Müller, Josef Pröll, Anton Scheffer, Hermann Schmidt und Hugo Zeller. Sie alle hatten den Wunsch, wenigstens einmal, wöchentlich einen Schachgegner zu haben, mit welchem man sich in edlem Kampf messen konnte. Gleichzeitig wollte man durch die ständige Abwechslung des Gegners seine Kampfstärke vergrößern. Man gab noch ähnlichen Worten Ausdruck, und alle freuten sich bereits auf den ersten Schachabend. Zum Vereinsführer wurde Otto Karrer vorgeschlagen, welcher das Amt als vorläufig annahm. Als Schriftführer wurde Fritz Bach und als Kassier Ludwig Beck bestimmt. Als Clublokal sollte das Nebenzimmer des Gasthauses "Sonne" dienen, wo jeweils dienstags und donnerstags gespielt werden sollte. Von den Anwesenden wurde eine Aufnahmegebühr von RM 1,-- und ein Quartalsbeitrag von RM -,50 beschlossen. Die Anschaffung der Schachbretter wurde dem Vereinsführer des nunmehr neuerstandenen Vereins übertragen. Bei einem gemütlichen Glas Bier schloß Vereinsführer Otto Karrer in später Stunde die Zusammenkunft und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der kleine Schachverein blühen und gedeihen möge. Da der Abend so gesellig und freundschaftlich verlief, beschloß man, den Verein als "Schachfreunde Gottmadingen" aus der Taufe zu heben.
Das erste Turnier mit anderen Schachvereinen
Am 7. April 1935 folgten die Schachfreunde einer Einladung zu einem Städteschachturnier in Singen (Hohentwiel). Die Gottmadinger Achtermannschaft landete erwartungsgemäß auf dem letzten Platz. Trotzdem waren die Schachfreunde zufrieden, da sie mit 8 Punkten nur 1,5 Punkte hinter Friedrichshafen und Radolfzell lagen. Der erhaltene Preis, eine Sparbüchse in Form eines großen Schachturms, ist noch heute in Gebrauch.
Beitritt zum Deutschen Schachbund - Der erste Sieg
Am 21. Januar 1936 schloß sich der Verein mit 15 Mitgliedern dem Deutschen Schachbund an. Bei den Verbandswettkämpfen im Frühjahr 1936 spielten die Schachfreunde zusammen mit Singen (Hohentwiel) und der Konstanzer B-Mannschaft in einer Klasse. Am 5. April 1936 konnte die Konstanzer Vertretung in der "Sonne" besiegt werden.
Bernd Flerlage, der große Organisator
Im Jahre 1938 trat Bernd Flerlage dem Verein bei. Seine überragenden organisatorischen Fähigkeiten wurden bald erkannt. 1939 wurde er zum Vereinsführer gewählt, 1941 außerdem noch zum Kassier. Er hatte beide Ämter bis 1946 inne. In dieser Zeit war er überaus aktiv. Für seine Bemühungen um Verbesserungen innerhalb des Badischen Schachbundes erhielt er 1939 dessen Ehrennadel. 1940/42 amtierte er als Leiter des Schachbezirks Bodensee. In dieser Eigenschaft führte er 1942 als Kongreßleiter die Badischen Meisterschaften in Singen (Hohentwiel) durch. Im Januar 1942 wählte ihn der Badische Schachverband zu seinem Landesspielleiter und beauftragte ihn mit der Reorganisation des Verbandes. Auch nach Kriegsende stellte er sich zur Verfügung: 1947/50 als Spielleiter der Schachfreunde, 1948 als Leiter des Schachbezirks Bodensee. In Würdigung seiner Verdienste ernannten ihn die Schachfreunde 1950 zum Ehrenmitglied. 1970 bis zu seinem jähen Tode 1974 amtierte er nochmals als Vereinsvorsitzender.
Weiterführung des Vereins nach dem Kriege
Nach dem Kriegsende mußte auf Anordung der französischen Militärregierung zunächst jede Vereinstätigkeit ruhen. Auf Initiative von Schachfreund Hermann Schmidt trafen sich am 12. November 1946 folgende Schachspieler im Nebenzimmer des Gasthauses "Sonne" und beschlossen, den Verein weiterzuführen: Ludwig Beck, Johann Fischer, Emil Jäckle, Otto Karrer, Karl Muffler, Gottfried Rüede,Georg Schelle, Hermann Schmidt, Manfred Schmidt, Schuler, Johann Schwarz, Ludwig Steiner und Hugo Zeller (Bernd Flerlage war wegen Krankheit verhindert). Die Versammlung mußte um 22 Uhr wegen der damals geltenden Polizeistunde beendet werden. Die Schachfreund besaßen bei der Wiedergründung lediglich noch 4 Schachspiele; die Schachuhren und die übrigen Schachspiele waren aus dem Vereinskasten entwendet worden. Eines dieser Spiele tauchte allerdings 1981 wieder auf. In diesem Jahr erhielt der Vereinskassier ein Päckchen von einem "Charli Klemmer, Organisationsweg 2, 8371 Klautzenbach". Das beim Postamt Singen aufgegebene Päckchen enthielt ein komplettes altes Schachspiel, einen Zehnmarkschein und einen Zettel folgenden Inhalts: "Vor annähernd vierzig Jahren organisiert, so nannte man dies damals. Für das nicht mehr vorhandene Brett liegen zehn Mark bei." Unterschrift XXX. Am 25. Februar 1947 erhielt der Verein die vorläufige und am 17. März 1947 die endgültige Genehmigung seitens der Militätregierung. Die Schachfreunde schlossen sich dann mit 21 Spielern dem Schachverband "Französische Zone" an.
Größere Turniere der Schachfreunde
An Schachgroßmeister Bogoljubow verknüpfen die Schachfreunde herzliche Erinnerungen. Am 28. Februar 1948 kämpfte er im Gasthaus Sonne gegen 47 Spieler simultan und trug anschließend noch 6 Blindpartien aus. Am 7. Januar 1949 trat er hier wiederum zu 8 Blindpartien an. Am 27. Dezember 1951 spielte er im Bahnhof-Hotel simultan an 29 Brettern. Dabei konnten die Schachfreunde immer einige Erfolge verbuchen; so siegte beispielsweise am 27. Dezember 1951 Gottfried Rüede.

Aus Anlaß ihres 15jährigen Bestehens veranstalteten die Schachfreunde vom 6. bis 8. Mai 1949 ein großes Turnier, an dem Meisterspieler aus ganz Süddeutschland teilnahmen. Dr. Linder (Radolfzell) gewann vor dem nordwürttembergischen Meister Berner (Riedlingen) und dem südbadischen Meister Mühlherr (Waldshut). Auf Grund des 25jährigen Vereinsjubiläums trugen die Schachfreund am 11. April 1959 im Gasthaus Sonne ein Turnier mit 24 Mannschaften zu je 3 Spielern aus. Der Turniersieg ging an Villingen I vor Villingen II. Zum 1000jährigen Ortsjubiläum der Gemeinde Gottmadingen leisteten auch die Schachfreunde ihren Beitrag. Sie veranstalteten am 6. und 7. November 1965 zwei Turniere in der Eichendorffhalle. Aus Anlaß des 40jährigen Bestehens des Vereins übernahmen die Schachfreund die Austragung des 30. Internationalen Bodensee-Mannschaftsturniers. Rund 300 Schachspieler (60 Mannschaften) aus 36 Vereinen kamen dazu am 6. Oktober 1974 in die Eichendorffhalle. In der A-Gruppe siegte Villingen vor Friedrichshafen. Offensichtlich waren alle Teilnehmer mit den Veranstaltern zufrieden, denn 10 Jahre später wurde das 39. Internationale Bodensee-Mannschaftsturnier wieder nach Gottmadingen vergeben.

Eine Übersicht über die größten Erfolge der Schachfreunde finden Sie auf gesonderter Seite.